Kunst an der Grenze im Werra-Meißner-Kreis

 

Abbildung   |   Karte

Hans Lamb, Kallstadt
»Ferne sucht Nähe«

 

Die Buchstaben aus Stahl lassen Text, unmittelbare Umgebung und ferne Landschaft zu einer Einheit verschmelzen. Hans Lambs eigener Kommentar:(Die) Wiedervereinigung ist ein faszinierendes bildhauerisches Thema - spielen hier doch der Lauf der Dinge (unsere Geschichte), symbolträchtige Formen (die Grenze), die Landschaft (Geografie) und zudem solch gleichermaßen komplexe wie abstrakte Kontexte wie Politik, Psychologie und Seele die Hauptrollen in einem Drama mit Happyend. NäheSuchtFerne” oder FerneSuchtNähe” - wie auch immer - ob physikalisches Elementarteilchen oder getrennte Völker - es gibt Kräfte, die zuweilen weitaus stärker sind als wir uns vorstellen und erwarten.
Die Sprachraumskulptur FERNE SUCHT NÄHE steht für solche Phänomene der sich bewegenden Pole.“ Die verschachtelte Typografie muss man sich visuell erst erarbeiten. „Ferne sucht Nähe“ drückt die Sehnsucht von gewaltsam getrennten Menschen aus, aber auch die eines ganzen Volkes, der Unnatürlichkeit zweier deutscher Staaten ein Ende zu bereiten. „Nähe sucht Ferne“ erinnert an die Forderungen eingesperrter Menschen nach Reisefreiheit, ein Motor der 89er Bewegung, die ganze Welt kennen lernen zu dürfen.

Gemeinsam mit den Bürgermeistern der Gemeinden Meinhard und Kella, Mitgliedern des Vereins für Regionalentwicklung im Werra-Meißner-Kreis, den künstlerischen Leitern der ARS NATURA-Stiftung, Sponsoren und Bürgern diesseits und jenseits der hessisch-thüringischen Grenze enthüllte Lothar Quanz, Vizepräsident im Hessischen Landtag und Initiator von Kunst an der Grenze , am Freitag, den 09.11. 2012, dieses Kunstwerk.
Welche Ursachen es auch immer für das plötzlich schnelle Ende der DDR ab November 1989 gegeben haben mag – ein Grund war das nie ausgelöschte Bewusstsein aller Deutschen, dass die SBZ, dann die DDR, Phänomene auf Zeit seien.


Der Ort
Man hat von diesem Parkplatz eine fantastische Sicht in das Eichsfeld. Heute können wir uns einfach an der wunderschönen Landschaft erfreuen, aber wir sollten nicht vergessen, dass früher hier Menschen standen, die nur eine Regung auf der anderen Seite erhaschen wollten, in einem Ort, einer Landschaft, die sie nicht betreten durften. Aus verschiedensten Oppositionsgruppen hatte sich 1989 eine Massenbewegung in der DDR ergeben. Deren Ziel war eine friedliche, demokratische Neuordnung mit Meinungs-, Presse- und Reisefreiheit. Am 06. November 1989 demonstrierten allein in Leipzig 500.000 Menschen. Und der Ruf „Wir sind das Volk“ schlug um in die Vision „Wir sind ein Volk“. Am Abend des 09. November 1989 sagt Günter Schabowski, Mitglied des Politbüros der SED im ostdeutschen Fernsehen überraschend: Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen - Reiseanlässe und Verwandtschaftsverhältnisse - beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt.“ Schabowski wird gefragt: Wann tritt das in Kraft? und er antwortet: Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich. Immer mehr Menschen kommen zu Grenzübergängen zunächst in Berlin. Um 00.02 Uhr sind alle Grenzübergänge Berlins geöffnet. Auch die Grenze der DDR zur Bundesrepublik wird Stück für Stück geöffnet. Deutschland jubelt, Menschen liegen sich weinend vor Glück und Unfassbarkeit in den Armen – eine lang gehegte Sehnsucht hat sich erfüllt. Die Grenze zwischen Meinhard-Braunrod und Kella wurde am 27.12.1989 geöffnet.

 

 

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